Verbraucherschutz in Bayern gefährdet: Laura Weber kritisiert Kürzungen

Foto: MdL Laura Weber

Die Verbraucherzentrale Bayern steht 2026 vor massiven Herausforderungen. Nicht steigende Zuwendungen aus dem bayerischen Landeshaushalt bei gleichzeitig immer höheren Kosten gefährden langfristig zentrale Aufgaben der Verbraucherschützer – mit spürbaren Folgen für die Menschen in Bayern.

„Die Verbraucherzentrale ist seit vielen Jahren eine wichtige Stütze und unabhängige Beraterin für die Menschen im Freistaat. Ihre Arbeit schützt Verbraucherrechte, sorgt für Transparenz in Märkten und hilft, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen“, betont Laura Weber, Sprecherin für Verbraucherschutz. Doch unter den aktuellen Rahmenbedingungen droht dieser Schutzschirm in weiten Teilen löchrig zu werden. Weber: „Daher müssen die Kürzungen in der Verbraucherberatung eingestellt und auf die aktuellen Bedürfnisse und Tariferhöhungen angepasst werden.“

Rechtsdurchsetzung am Limit

Besonders betroffen ist das Referat Recht und Digitales. Nur hier können komplexe Abmahnungen und Klagen durchgeführt werden – und auch das nur noch eingeschränkt. Die bislang vom Umwelt- und Verbraucherschutzministerium bereitgestellten 45.000 Euro für Prozesskosten reichen längst nicht mehr aus, um größere Verfahren etwa gegen marktbeherrschende Online-Plattformen, zu führen. Ohne zusätzliche Mittel drohen Klagen eingestellt zu werden. Damit verlieren Verbraucherinnen und Verbraucher ihre wichtigste unabhängige Instanz, wenn Konzerne gegen geltendes Recht verstoßen.

Fehlende Beratung – wachsende Nachfrage

Auch in alltäglichen Fragen merken Verbraucherinnen und Verbraucher die Engpässe zunehmend. Im Bereich Reiserecht können Anfragen derzeit kaum bearbeitet werden, weil Arbeitsstunden weggefallen sind. Im Bereich Verbraucherbildung bleibt die Nachfrage von Schulen und Lehrkräften nach Fortbildungen zu digitalen und finanziellen Themen weitgehend unbedient – obwohl neue Lehrpläne diese Kompetenzen ausdrücklich fordern.

Zeitgleich fehlen personelle Ressourcen, um in neuen digitalen Themen wie Künstlicher Intelligenz, Legal-Tech oder Dark Patterns fachlich Schritt zu halten. Damit droht die Verbraucherzentrale Bayern in einer immer stärker digitalisierten Alltagswelt nicht mehr als kompetenter Partner wahrgenommen zu werden.

Ähnliche Defizite zeichnen sich in weiteren Bereichen ab:

  • Energie und Umwelt: Die steigende Zahl von Fragen zu Fernwärmeverträgen oder zu Netzanschlüssen von Photovoltaikanlagen kann derzeit nicht beantwortet werden.
  • Lebensmittel und Ernährung: Themen wie „Shrinkflation“ (kleinere Packungen zum gleichen Preis), „Skimpflation“ (Qualitätsverlust bei gleichbleibenden Preisen) oder irreführendes Marketing bei Nahrungsergänzungsmitteln können nicht mehr systematisch aufgegriffen und analysiert werden – obwohl Verbraucherinnen und Verbraucher hier täglich betroffen sind.

Beratungsstellen vor Ort in Gefahr

Von landesweit rund 20 Vollzeitstellen in der Beratung können vier nicht nachbesetzt werden. Die Folgen spüren die Menschen direkt: weniger Beratung in München, Landshut, Kempten, Hof, Bamberg und Amberg. Insgesamt droht der Verlust von bis zu 7,5 Vollzeitstellen bis Jahresende – das sind rund 20 Prozent der institutionellen Beratungskapazität.

Weber: „Die Kürzungen bei der Verbraucherzentrale Bayern treffen unsere Region ins Mark. Gerade in einer Zeit steigender Energiepreise, komplexer Vertragsbedingungen und zunehmender Online-Betrugsfälle brauchen die Menschen vor Ort eine verlässliche, unabhängige Beratung. Wenn bei uns in Amberg Stellen wegfallen, bedeutet das längere Wartezeiten und weniger persönliche Ansprechpartner. Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen.“