Alltagssexismus – ein gesamtgesellschaftliches Problem

Am Donnerstag, dem 11.01.2018, fand um 19 Uhr im Resi e.V. in der Regensburger Altstadt eine Podiums- und Fishbowldiskussion der GRÜNEN JUGEND Regensburg in Kooperation mit der Grünen Stadtratsfraktion statt. Das Thema lautete Alltagssexismus – ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wie kann man(n) das verändern? und traf sichtlich auf großes Interesse bei Regensburger*innen.

Wir freuen uns sehr, dass rund 30 Interessierte anwesend waren und die Diskussion durch ihre aktive Teilnahme bereichert haben.

Nach einer kurzen Einführung ins Thema stellten sich die beiden Podiumsgäste dem Publikum vor. Frau Marga Teufel, Leiterin des Büros für Chancengleichheit der Stadt Regensburg, erzählte aus ihrem Berufsalltag. Sie berichtete von Projekten in Schulen und Kindergärten, durch welche schon bei der Erziehung versucht wird, Geschlechtergerechtigkeit voranzubringen. Sie selbst bezeichnet sich als Altfeministin und war auch u.a. beim Aufbau des ersten Frauenhauses in Regensburg vor mehreren Jahrzehnten aktiv. Eine große Frage im Rahmen der Diskussion war, wie zukünftig mit der #metoo-Debatte umgegangen werden sollte und welche Konsequenzen gezogen werden könnten und sollten. Frau Teufel sah dabei eine Verantwortung in Politik und Gesellschaft. Sie forderte gleichzeitig auch ein größeres und breiteres Angebot an „Selbstverteidigungs“-Kursen für Frauen, inklusive der psychischen bzw. verbalen Verteidigung.

Aus Berlin kam Eva Molau von der Initiative #KeineKleinigkeit, eine Internetseite und App, auf der jede Form von (vermeintlich noch so kleiner) sexueller Belästigung anonym angezeigt werden kann – denn nur die Person selbst kann und darf entscheiden ob ein Grenzübertritt geschehen ist. Selbstverteidigungskurse sieht sie als Problemsuche bei den Opfern, welche auf gar keinen Fall stattfinden dürfe. Wichtig sei der Ansatz bei den Tätern und (sehr wenigen) Täterinnen. Dort müssen nachhaltig Denkmuster und patriarchalische Verhaltensweisen geändert und abgeschafft werden. Sie berichtet von ihrer Website keinekleinigkeit.de, auf der bisher bereits fast 50 000 Belästigungen angezeigt wurden – und das innerhalb von vier Monaten. Das beweist, dass die Debatte mitten in der Gesellschaft stattfinden muss und dass wir alle davon betroffen sind. Sie fordert Solidarität mit den Betroffenen. Andere Themen der Diskussion betrafen gendergerechte Sprache, Prägung durch geschlechtsspezifisches Spielzeug im Kindesalter und den Pay Gap zwischen Männern und Frauen*.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde wurde das Podium für eine Fishbowldiskussion geöffnet und jede*r Interessierte konnte sich dazusetzen, etwas berichten oder eine Frage stellen. Auch Meldungen aus dem Publikum waren möglich. So wurde schnell aus wenigen Fragen eine interessante und lange Diskussion, die stets um die bedeutendsten Fragen kreiste. Wie können wir auf Alltagssexismus reagieren? Inwiefern tragen Männer hierbei eine besondere Verantwortung? Warum scheinen sich nicht alle Frauen mit den Sprecherinnen der #metoo-Debatte zu solidarisieren? Wie können wir zukünftige Generationen fernab von Geschlechterrollen erziehen?

Theresa Eberlein, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Regensburg, sagte dazu: „Ich bin geschockt über knapp 50 000 gemeldete Übergriffen innerhalb von 4 Monaten, wobei genau das die aktuelle Problematik widerspiegelt. Alle wissen, dass Übergriffe stattfinden, doch nur die wenigsten werden aktiv dagegen. Wir dürfen aber nicht hinnehmen, das über 50% unserer Gesellschaft aufgrund ihres Geschlechtes schlechter behandelt, bezahlt und auf andere Arten diskriminiert werden! Wir alle haben Menschen im Umfeld, denen bereits strafrechtlich relevante Übergriffe passiert sind, die diese jedoch aus Angst und mangelnden Chancen weder anzeigen noch thematisieren. Die geschätzte Verurteilungsquote von Vergewaltigungen beträgt 1%. Hier sehe ich einen klaren Handlungsbedarf der Gesetzgebung und natürlich die dringende Solidarisierung innerhalb der Gesellschaft. Denn: die Schuld an einem Übergriff liegt immer bei dem*der Täter(*in) und nie beim Opfer!“

Mirjam Körner, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Regensburg, sagte dazu: „Die Nachfrage der Regensburger*innen zeigt auf, welche Bedeutung das Thema Alltagssexismus zurzeit einnimmt. Die Weinsteindebatte und der Aufschrei #metoo haben dazu beigetragen, dass dieser Diskurs, der unsere Gesellschaft in ihrer Ganzheit betrifft, endlich mit der Intensität geführt wird, die er verdient hat. Die GRÜNE JUGEND Regensburg wird sich auch in Zukunft mit dieser Problematik beschäftigen und kämpft weiter für die Gleichstellung der Geschlechter und ein freies Leben jenseits aller Mann/Frau-Vorstellungen!“

(PM vom 12.01.)

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